Samuel Finley Breese Morse, Wegbereiter der weltweiten kommerziellen Telegrafie

Bild vom SchreibtelegrafenNachdem 1833 die beiden Physiker Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber (siehe auch: Gauß-Weber-Telegraf) in Göttingen die erste auf elektrischer Übertragung basierende Telegrafiestrecke in Betrieb genommen hatten und der Münchener Physiker Carl August von Steinheil (*1801 †1870) im Jahre 1836 der Öffentlichkeit den ersten auf elektro-magnetischer Induktion basierenden Schreibtelegrafen vorstellte, entwickelte Samuel F.B. Morse (*1791 †1872), ein Kunstprofessor aus Massachusetts, im Jahre 1837 ebenfalls einen elektromagnetischen Schreibtelegrafen, der zunächst noch aus einer hölzernen Staffelei bestand und damit relativ groß und unpraktikabel ausfiel. Als unbestreitbarer Vorteil galt aber, dass der von Morse noch selbst entwickelte Code leichter lesbar war, als der von Steinheil. Aber während dieser bereits alle Zahlen und Buchstaben enthielt, umfasste der von Morse ausschließlich die Ziffern 0 bis 9, sodass diese mithilfe einer Tabelle in Buchstaben bzw. Buchstabenfolgen übersetzt werden mussten. Hinzu kam, dass der relativ hohe Strom, den der Elektromagnet für die Auslenkung des Schreibpendels benötigte, aufgrund des Leitungswiderstandes über eine längere Entfernung nicht mehr übertragen werden konnte. Die Lösung brachte eine kräftige Batterie direkt am Schreiber, deren Strom im Takt des Morsecodes über die Kontakte eines weit weniger 'stromhungrigen' Relais an den Schreibermagneten geleitet wurde. Dieses Verstärkungsprinzip war Morse nur durch den Einsatz des weltweit ersten Relais mit elektrischen Arbeitskontakten möglich. Der US-amerikanische Physiker Joseph Henry (*1797 †1878) hatte es gerade 1835 erfunden und Morse bei seinem Problem auch persönlich unterstützt.

Alfred Lewis Vail (*1807 †1859), ein graduierter Theologe und darüberhinaus exzellenter Mechaniker, seit 1837 kongenialer Partner Morses, entwickelte (nicht zuletzt mit dem finanziellen Rückhalt seines wohlhabenden Vaters) ein weitaus kleineres, Dank der Metallbauweise erstmals robustes und damit massentaugliches Gerät. Daneben schuf Vail 1838 den ersten Morsecode, der auch Buchstaben enthielt. Aber auch dieser war in der Praxis nur schwer umsetzbar, denn er bestand zunächst aus Zeichen von drei unterschiedlichen Längen und variablen Pausen. Der in Hamburg lebende Musiker und Journalist Clemens Gerke (*1801 †1888) veränderte schließlich den Code derart, dass er nur noch zwei Zeichenlängen (nämlich lang und kurz) und stets gleich lange Pausen enthielt. Kommerziell wurde er erstmals 1848 anlässlich der Inbetriebnahme der Telegrafieverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven eingesetzt. Den Ritterschlag erhielt Gerkes Code schließlich, als man ihn 1865 bei der 'International Telegraph Conference' in Paris zum international gültigen Morsecode erklärt hatte. Wenig später wurde er von den 'Vereinten Nationen' genormt und ist bis heute gültig, wenngleich "Morsen" inzwischen durch die allgegenwärtige Satellitentechnik verdrängt wurde und selbst im Bereich des Amateurfunks immer seltener zu finden ist.

[Anmerkung:  Auch wenn Samuel F.B. Morse nicht alle Erfindungen, die zum späteren Erfolg der Telegrafie beitrugen, selber erdachte, so war es doch die pragmatische Auswahl seiner Mitarbeiter, gepaart mit einem ausgeprägten Geschäftssinn, was ihn als legitimen Begründer kommerzieller Telegrafie auszeichnet. Trotz weitreichender Bemühungen Morses, diesen Zustand zu ändern, verfügten seine Schreibtelegrafen in Europa über keinerlei Patentschutz. So durften sie hier von einer größeren Zahl von Betrieben massenhaft nachgebaut und verbessert werden, ohne das diese Patentstreitigkeiten befürchten mussten. Das Foto oben zeigt z.B. ein hierzulande bereits konstruktiv erheblich anspruchsvolleres Nachfolgemodell aus dem Jahre 1870, welches in unserer Ausstellung zu sehen ist. Diese Schreiber hat u.a. die Berliner Firma Siemens & Halske ab 1862 über mehrere Jahrzehnte in unterschiedlichen Varianten produziert.]

 

Morse-Übungsgerät  MÜG3

Morse-Übungsgerät

Derartige Geräte dienten schon vor dem Zweiten Weltkrieg der Morseausbildung angehender Funker. Die Originalgeräte lieferte die Firma A. Grothe und Söhne GmbH, die bis 1998 in Köln-Zollstock ihren Sitz hatte und noch heute in Hennef/Sieg u.a. Klingeln und Gongs herstellt bzw. vertreibt. Der Produktionszeitraum des MÜG3 erstreckte sich von 1934 bis etwa 1948, also bis weit in die Nachkriegszeit.

Während des Krieges wurden viele Tausend Exemplare des MÜG3 in erster Linie für die Luftwaffe (vereinzelt auch als Nachbauten) produziert. Gut erhaltene Originalgeräte, wie das in unserem Museum ausgestellte Exponat (siehe Foto), sind infolge weitreichender Vernichtung heute extrem rar und tauchen nur noch hin und wieder als eher zufällige ’Dachbodenfunde’ auf.

Schüler und Lehrer hatten jeweils eine Morsetaste und einen Kopfhörer mit relativ kurzen Anschluss-leitungen. So konnten sie sich einerseits mittels des Morsecodes, andererseits aber auch verbal verständigen.

Eine interessante Variante war die Tonerzeugung. Aktive Bauteile (Elektronenröhren) sucht man hier vergeblich, denn man bediente sich des einfachen Rückkopplungseffektes. In einem mittels Wolle akustisch geschirmten, körperschallisolierten und steckbaren Block des Gerätes war eine Telefon-Hörkapsel in elektrischer Serienschaltung mit einer Telefon-Sprechkapsel verbunden und derart montiert, dass sich die beiden Kapseln dicht gegenüberstanden. So ergab sich mit wenigen Mitteln eine akustische Koppelung, die einen Dauerton im mittleren hörbaren Frequenzbereich erzeugte. Dieser Ton wurde nun über die Morsetaste und den zentral montierten Lautstärkeregler (Drahtpotentiometer) den Kopfhörern zugeführt. Für den sicheren Betrieb war eine Versorgungsspannung von etwa 3 Volt erforderlich. Man hat sie durch zwei langlebige, in Serie geschaltete 1,5 Volt Zink-Kohle-Trockenbatterien (sog. “T30-Feldelemente“) realisiert.

 

Übungsapparatur zur korrekten Eingabe von Morsezeichen

Morse-ÜbungsapparaturWir haben in unserer Ausstellung zur Geschichte der Telegrafie eine Apparatur eingerichtet, mit der unsere Besucherinnen und Besucher einmal selber testen können, wie ihnen der Umgang mit einer einfachen Morsetaste gelingt. So ganz problemlos geht das nämlich nicht von der Hand - es erfordert schon etwas Übung. War die Eingabe fehlerfrei, so werden die Buchstaben auch korrekt auf dem großen TV-Monitor dargestellt.

Unsere Geräte erlauben die Eingabe einzelner Buchstaben, aber auch längerer Textpassagen über den gesamten Bildschirm. Ist dieser vollgeschrieben, so scrollt der Text automatisch nach oben und es kann weiter geschrieben werden.

Die anwesenden Kollegen können den Bildschirminhalt auf Wunsch jederzeit löschen.

 

Setzen Sie sich einfach an den Bildschirm und probieren es einmal aus.

 

© Texte: Bodo Krüger (2/2024) / Bilder:  Rudolf Auel und Bodo Krüger

 


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