Die letzte Handvermittlung in einem Ortsnetz der Bundesrepublik Deutschland   (1966)

 Letzte Handvermittlung

Im Jahre 1955 wurde in der Bundesrepublik Deutschland der Selbstwählferndienst (SWFD) eingeführt. Von nun an konnte man seine Telefonverbindungen (auch die Ferngespräche) selbst einleiten.

Einzig im Ortsnetz Uetze (bei Burgdorf/Han.) wurde noch bis 1966 handvermittelt. In den Jahren vor 1955 besaßen die Telefonapparate einen Kurbelinduktor, dessen Wechselstrom der Vermittlungsstelle den Verbindungswunsch sowie später das Verbindungsende signalisierte. Batterien in den Wohnungen lieferten den Gleichstrom für die eigentliche Sprechverbindung  (daher: "Ortsbatteriebetrieb").

Nach 1955 hatte man das Ortsnetz in Uetze zunächst auf Zentralbatteriebetrieb umgestellt. Im Dachgeschoß des Postamtes wurden nun zwei "Vermittlungsschränke 48" aufgebaut und die Teilnehmer bekamen neue Apparate ohne Kurbelinduktor, aber auch noch ohne Nummernschalter (Wählscheibe). Immerhin konnten die wartungshungrigen Batteriekästchen in den Wohnungen jetzt entfallen. An die beiden Vermittlungsschränke hätte man insgesamt 400 Teilnehmer anschließen können.

In Uetze waren es zum Schluss denn auch 374, welche von den sechs Damen (die landläufig "Fräulein vom Amt" genannt wurden) in drei Schichten rund um die Uhr mittels Steckverbindern an kurzen Kabelenden verbunden wurden. Während in früheren Zeiten an derartigen Schränken bei jedem Verbindungswunsch oberhalb der Anschlussbuchse des Teilnehmers kleine Klappen herunterfielen (daher auch die Bezeichnung "Klappenschrank"), wurde dies den Damen nun durch gleichstromgesteuerte Niederspannungs-Glühlämpchen angezeigt.

Es dauerte noch bis zum 29. April 1966, als mit Uetze auch der letzte Ortsnetzbereich Westdeutschlands auf automatischen Wählbetrieb umgestellt wurde. Der damalige Postminister Dr. Richard Stücklen reiste persönlich an, um dieses Ereignis in einem Festakt zu würdigen. Die Teilnehmer erhielten wiederum neue Apparate, die zum Selbstaufbau der Verbindung nun auch einen Nummernschalter besaßen.

Der letzte noch in Betrieb befindliche "Klappenschrank" der DDR wurde im Jahre 1987 in Falkenrehde (Brandenburg) abgebaut. Die Modernisierung des Telefonnetzes in den neuen Bundesländern gestaltete sich nach der Wiedervereinigung als Herkulesaufgabe. Für vereinzelte Fernverbindungen nutzte man daher die Handvermittlung noch bis 2003, aber nunmehr mit modernerem Gerät.


Einen der letzten beiden originalen Vermittlungsschränke aus Uetze können Sie bei uns im Hannoverschen Fernmeldemuseum sehen.

 

© Text: Rudolf Auel (2017) und Bodo Krüger (2023) / Bild:  Rudolf Auel 


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